3. Teil: Erweiterungsbauten

Die ersten Nachkriegsjahre waren noch geprägt von einfachem Lebensstil, Sparsamkeit und Bescheidenheit in allen Lebensbereichen, auch in der Altersbetreuung. Der zunehmend bessere Gang der Wlkirtschaft in den 50er Jahren hatte auch seinen Einfluss im sozialen Bereich, auf das Zusammenleben in der Familie. Waren Grosseltern bis zu diesem Zeitpunkt noch voll integriert in die jungen Familien, kam mit zunehmendem Wohlstand vermehrt der Wunsch, betagte Familienangehörige auszusiedeln. Es kam der Ruf nach zusätzlichen Altersplätzen in Heimen. Diese Entwicklung spürte auch der Verein St. Bernhard. Das Platzangebot wurde knapper, die Wartelisten länger. Mitte der 50er Jahre nahm der Gedanke einer grosszügigen Erweiterung Gestalt an.

1956

Architektauftrag an Herr Korner, Luzern

1957

Am 5.11.57 erfolgt eine erste Orientierungsversammlung im Hotel Zwyssighof. Sie soll der Bevölkerung Aufschluss geben über das Erweiterungsprojekt. Gemäss Protokoll ist das Interesse gross und man beschliesst, mit einem Gesuch an die Gemeinde zu gelangen. Vorgesehen sind 72 Betten für Betagte und 17 Zimmer für das Personal. Im weiteren Verlauf der Planung kommen die gewohnten Schwierigkeiten mit den Behörden auf kommunaler wie kantonaler Ebene. In Aarau streitet man sich über den Plan-Massstab. Der Grund: Man hat überhaupt keine Erfahrung mit dem Bau von Altersheimen. Von Gemeindeseite ist man gegen das Projekt mit der Begründung, der künftige Baukörper sei zu massig im Lägern-Rebhang und würde das Trottgebäude erdrücken. Schon damals erhitzten sich die Gemüter über das Verhältnis Einer- und Zweierzimmer. Weiter steht zur Diskussion: Abbruch des Tröttli und Reduktion der Zimmerzahl auf 50, weil angeblich Stadt und Kanton Zürich nur deren 50 erlaube als oberste Limite. Ebenso sind im Gespräch schon damals Alterswohnungen und Alterssiedlungen.

1958

Am 21. März erfolgt ein Augenschein vor Ort mit dem Direktionssekretär Dr. Rey, dem Adjunkten des Hochbauamtes, Herr Meili und dem Kantons-baumeister Kaufmann. Dieses Gremium plädiert für Abbruch des Tröttli und Erstellung von Pavillon-bauten. Architekt Korner debattiert gut und verteidigt Bettenzahl und Baukörper. Am 23. April erfolgt eine weitere Podiumsdiskussion mit Vertretern des Gemeinderates. Es geht dabei weniger um das eigentliche Projekt als vielmehr um unnütze Randfragen. So wollen z. B. Gemeinderat Müller und Architekt Siegenthaler stur nur Wettinger im St. Bernhard beherbergen. Zur Erheiterung aus dem Protokoll dieser Sitzung auf eine Publikumsfrage, wie denn die Zusammensetzung der Bewohner im Altersheim sei: ” Wittfrauen und Fröleins, Rest: ältere Männer!”An der Herbstgemeindeversammlung wird dann eine Subvention von Fr. 200 000.– beschlossen. Aarau sichert 40% zu.

1959

Der derzeitige Präsident des Vereins St. Bernhard, Pfarrer Schnetzler, wird residierender Domherr des Standes Aargau in Solothurn. Karl Jappert wird Nachfolger als Ortspfarrer St. Sebastian und am 9.März an der GV offiziell zum Vereinspräsidenten gewählt. Gleichentags wird für das Bauvorhaben W. Dinkel als Ingenieur zugezogen mit der Auflage, dass der Gewählte noch eine Berufshaftpflicht abschliessen müsse, sei es doch sein erstes Bauprojekt in dieser Grösse. Ebenso erfolgt die Wahl des örtlichen Bauleiters in der Person von Kurt Bischof. Ein langjähriges Vorstandsmitglied, Fuhrhalter Johann Oeschger, tritt zurück mit dem Versprechen, gemäss Protokoll, dass auch fürderhin jährlich 2 Fuder Pferdemist an St. Bernhard geliefert werden mit der Verpflichtung auch an seine Erben!

Die Gemeinde Wettingen will an die Subvention Bedingungen knüpfen, dass Pensionäre, die von der Gemeinde Wettingen in den St. Bernhard eingewiesen werden, um 15% billiger gehalten werden sollen. Am 7. August wird die Baukommission bestellt mit den Herren Dr. Alfred Huser, Franz Berz, Sales Zehnder, Jean Schibli und Franz-Xaver Peter. Bereits am 12. August wird Franz-Xaver Peter Präsident der Baukommission. Bei der Behandlung des Subventionsgesuches in Aarau gibt es offensichtlich Schwierigkeiten. Nicht zuletzt auch, weil der Verein St. Bernhard Besitzer der Liegenschaft, Dorfstrasse 2 ist, die mit unserem Vereinszweck nichts zu tun hat. Bereits 1957 wurde an die kath. Kirchgemeinde der Antrag gestellt, diese Liegenschaft, die 1948 für Fr. 25 000.– erworben wurde, wieder in Besitz der Kirchgemeinde zu nehmen. An der Kirchgemeindeversammlung vom 14. Dezember 1959 wird die Liegenschaft für Fr. 170 000.– wieder erworben. (Übrigens kein Immobiliengewinn, sondern namhaft getätigte Investitionen!) Die Firma J. L. Bürgler offeriert als einziger Baumeister.

1960

Baubeginn Spätherbst. Ursprünglich zügiges Vorangehen der Rohbauarbeiten.

1961

Sitzung vom 3. November: Streit mit Architekt Korner und Ingenieur Dinkel. Es fehlen Ausführungspläne, zum Beispiel für die Küche. Es zeigt sich, dass das Flachdach eine Fehlkonstruktion ist. Aus diesen Gründen resultieren grosse Rückstände auf das Zeitprogramm. Abschlussarbeiten sind vorgesehen auf Ende Februar 1962. Die Sitzung endete mit dem Satz von Frau H. Wiederkehr, Protokollführerin: ” Um 19 Uhr ist der geschäftliche Teil des schneidigen Obersten-Rapportes zu Ende !”

1962

Der Neu- und Erweiterungsbau wird bezogen. Neben laufenden Anpassungsarbeiten und Erledigung von Garantiearbeiten ziehen sich Streitigkeiten mit dem Architekten und Ingenieur noch über Jahre hinweg.

1967

Pfarrer Karl Jappert tritt an der GV als Vereins-präsident zurück. An seine Stelle wird F. X. Peter gewählt. Mit seinem eigenen militärischen Führungstalent geht er sofort medias in res. Alle Ressorts werden sauber verteilt. Die Buchhaltung wird à jour gebracht. Es werden Kosten und Budgetanalysen erstellt mit vierteljährlichen Abschlüssen. Es wird ein Archiv geführt. Mitte August tritt Verwalter Joseph Zehnder nach 33 Jahren Tätigkeit für St. Bernhard zurück. In der Sitzung vom 4. 7. 67 erfolgt erstmals eine Diskussionsanregung über den Bau eines Pflegeheimes, nicht zuletzt auch, weil ähnliche Diskussionen auch in der Öffentlichkeit beginnen.

Pflegeheim St. Bernhard

Es war die vorausschauende Weitsicht von F. X. Peter, sich mit dem Gedanken eines eigenen Pflegeheimes auseinanderzusetzen. Immer wieder mussten Betagte bei zunehmender Pflege-bedürftigkeit ins Akutspital oder in ein kantonales Pflegeheim ausgesiedelt werden, was notgedrungen bei Patienten wie Angehörigen zu grossen Belastungen führte. Es entspann sich ein Kampf zwischen dem Gemeindeprojekt mit 200 Betten gegen das Projekt St. Bernhard. Aus dem Grundsatzentscheid des Kantons zum Bau eines neuen Kantonsspitales in Baden-Dättwil obsiegte das Projekt eines Pflegeheimes St. Bernhard. Das alte Bezirksspital Baden wird 1978 zum Regionalen Krankenheim. Die damalige Verliererposition hat die Gemeinde Wettingen, vorab der Gemeinderat, nie ganz überwunden. Beweis dafür sind die langjährigen Bemühungen um einen Pflegebeitrag. Nun aber zur Chronologie. In der Vorstandssitzung von 31. Oktober ist erstmals das “Pflegeheim” traktandiert. Die Diskussion geht dahin: “Wollen wir, können wir?” Am 15. Dezember werden neu in den Vorstand gewählt: Josef Locher, Dr. Peter Meier, Alfred Zehnder, Dr. Armin Imhof. Diese vier Herren werden mit der Aufgabe betraut, Abklärungs- und Grundlagenforschung für ein Pflegeheim zu erarbeiten.

1968

In einer Sitzung vom 16. Januar werden die Aufgaben festgelegt. Definition des Pflegeheims, räumliche Bedürfnisse, technische und personelle Anforderungen, Investitions- und Betriebskosten, Finanzierung, Subventionen, Arztdienst. In einem Zwischenbericht wird festgelegt, dass zweifelsohne die Personalfrage die Hauptproblematik ergeben wird. Pfarrer Jappert wird beauftragt, in Menzingen zu sondieren. Parallel zu unser eigenen Kommissionstätigkeit wird Dr. Imhof in die gemeinderätliche Alterskommission delegiert, die sich mit identischen Projektarbeiten befasst. So ist man ständig auf dem laufenden über die Konkurrenzseite. Mitte Juli gibt F. X. Peter seinen Rücktritt als Präsident bekannt auf Ende des Geschäftsjahres. Josef Locher tritt zurück wegen Wegzug nach Baden. Im Oktober liegt der Bericht der Pflegeheim-Kommission vor. Pfarrer Jappert gibt sich skeptisch für künftigen Schwestern – Nachwuchs. Am 17. Dezember erfolgt die Beschlussfassung für ein Vorprojekt mit einer Kreditgewährung von Fr. 10 000.–. Der Auftrag geht an das Architektur – Büro Müller + Bandi in Kloten.

1969

In Abwesenheit wird Dr. Imhof als Präsident gewählt. Dr. Eugen Rüttimann ersetzt den weggezogenen Josef Locher. Am 13. August wird das Vorprojekt durch Architekt Bandi vorgestellt.

1970

Am 25. Februar gelangen die abgeänderten Pläne des Projektes in Umlauf. Am 13. Mai erteilt der Vorstand der CVP eine endgültige Absage zum Einstieg in ihr Projekt für Alterswohnungen. Wir wollen statutengemäss politisch neutral bleiben. Am 15. Juli einstimmiger Beschluss zum Bau des Pflegeheims. Als Mitglied der Baukomission wird Balz Hösli – ausserhalb des Vorstandes – gewählt. Am 7. Oktober wird eine neue Pensionspreis-gestaltung eingeführt nach dem massgebenden Einkommen, plus 5% des Vermögens.

1971

Wir erhalten die provisorische Zusicherung eines Gemeindebeitrages von Fr. 600 000.–. Die kantonale Subvention wird im Maximum 25% betragen. Von der kath. Kirchgemeinde erhalten wir die vertrauliche Zusicherung eines Baukostenbeitrages, verteilt auf die Jahre 1973 – 1976 von Fr. 200 000.–. Mitte September legt das kantonale Gesundheits-departement ein neues Spitalgesetzkonzept auf, das im wesentlichen auf die Trennung von Altersheimen und Pflegeheimen hinausläuft. Die Folge für uns heisst somit, dass die erhofften Subventionen massiv gekürzt würden, weil St. Bernhard nach wie vor der Altersheimverordnung unterstellt bliebe. Konsequenz: Alle Finanzierungsgesuche werden gestoppt, die Arbeiten des Architekturbüros werden vorderhand unterbrochen. Im Oktober Vorsprache einer Delegation beim GD in Aarau. Man verspricht eine Stellungnahme in ca. 3 Wochen. Trotzdem weiterhin Stop aller Arbeiten.

1972

Im Januar erhalten wir die Subventionszusage lautend auf 28%. Eine ausführliche Diskussion im Vorstand mit der Thematik: ” ad acta legen oder weiterfahren?” führt zum Grundsatzentscheid mit 9:1 Stimmen: ” weiterfahren !” Am 17. Mai wird uns eine provisorische Zusicherung für einen Beitrag von Fr. 300 000.– gesprochen von der Ortsbürgergemeinde Wettingen. Alle sistierten Arbeiten werden deblockiert. Es werden 2 Kommissionen gebildet. Für den Bau : Balz Hösli, Traugott Schmid, Alfons Egloff, Franz Berz, Armin Imhof, für den Betrieb Pflegeheim: Peter Meier, Eugen Rüttimann, Alfred Zehnder, Schwester Aegidie Knill. Beide Kommissionen erhalten entsprechende Pflichtenhefte.

 

Das Baugesuch wird eingereicht

5. Juli

Die Einwohnergemeinde bewilligt Fr. 600 000.– – Die Ortsbürgergemeinde Fr. 400 000.– An einer ausserordentlichen GV am 13. September wird gestützt auf §13 der Statuten ein Vorstandsausschuss gebildet. Gleichzeitig werden neue Vorstandsmitglieder aufgenommen. Von der Einwohnergemeinde: Urs Egloff, von der Ortsbürgergemeinde: Bernhard Huser.

1973

Am Tag der Kranken, 3. und 4. März wird ein Bazar durchgeführt zu Gunsten des Pflegeheimes. Am 3. Mai Spatenstich, verbunden mit einer kleinen Feier. Vor Sommerferienbeginn erhalten wir die Hälfte des Erlöses aus dem “Wettiger Fest” im Betrage von Fr. 66 300.–. Die protestantische Kirchgemeinde spricht eine Subvention von Fr. 125 000.– aus. Die Bauarbeiten laufen planmässig.

 
 
 
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