1. Teil: Von 1646 – 1699

Im Jahre 1646 pflanzte Stoffel Güller ein Stück Reben beim Bergtröttli, Hans Heinrich Bürgler 1 Juch. beim Bergtröttli. 1667 war das Berg-Tröttli auf der Zürcher Karte von Johann Conrad Gyger eingetragen. 1670 erliess Abt Benedikt Staub (1617-1672) eine Ordnung für den “Trottmeister im dem Berg-Trödtlin”. 1693 war das Berg-Tröttli auf der Karte “Geometrischer Grundriss aller Marken dess Gotteshauses Wettingen” eingezeichnet.

1699 erweiterte Abt Basilius Reuty von Wil (1646-1703) das Rebgelände um das Bergtröttli durch Ankauf einer Jucharte Reben unterhalb desselben für 400 Gulden. Das Areal beim Bergtröttli umfasste damals ca. 20 Jucharten mit der sinngemässen Bezeichnung “Heerenberg”, gehörten doch die Reben an bester Lage unseres Rebberges den Kloster-Herren.

1700

Aus dem “Weinbüchlein des Klosters ” sind uns die Ertragszahlen aus dem ganzen Rebberg bekannt. Damals wurden unter Trottenmeister Jogli Oertli im Bergtröttli 164 Saum, 10 Viertel und 3 Mass (ca. 25000 Liter) ausgepresst.

1725

Unter dem Abt Alberich I. Beusch (1682-1745) wurde das alte Bergtröttli mit dem Trottbaum aus dem Jahr 1688 abgetragen. Dieser Trottbaum wurde in die neue, den gesteigerten Bedürfnissen besser dienende, Trotte eingebaut. An der westlichen Aussenmauer, direkt über dem Haupteingang, wurde die Abtwappen-Tafel mit der Jahreszahl 1725 eingemauert. Die neue Trotte war mit 32 Standen versehen und nur für die Klosterreben bestimmt.

1767

Ein in der “Bergtrotte” aufgehängtes Tableau enthielt folgenden Vers samt Angabe der Weinqualität vom Jahre 1767-1800 aus 24 Jucharten Herrenberg und Teilreben.

1841

Am 13. Januar wurde das Kloster aufgehoben, und am 28. Januar mussten der Abt und seine Mitbrüder das Kloster verlassen. Der Staat Aargau nahm das Klostergut, also auch unsere Bergtrotte, zu getreuen Handen.

1845

Steigerungsbedingungen über die Bergtrotte nebst dem dabei stehenden Brunnen und ca. 20 506 Rebland und Platz vor der Trotte, mit Trottgeschirr, 16 Trott- u. 2 Rinnstanden.

Diese Objekte werden immer Ziel und Marchen versteigert, u. auf genügenden Erlös hin dem Höchstbietenden überlassen.

  1. Dieselben werden mit den gleichen Rechten, Wegrechten u. Beschwerden abgetreten, wie solche bisher besessen u. benuzt worden; die Reben sind grundzinsfrei hingegen zehentpflichtig.
  2. Das höchste Angebot bildet die Kaufsumme, und diese ist in zehn gleichen aufeinander folgenden Jahreszahlungen an den Verkäufer abzutragen.
  3. Nutzen und Schaden für den Käufer beginnen mit Martini 1845 mithin verfällt die erste Zahlung u. der erste Zins mit Martini 1846. à 4% innert 2 Monaten nach dem Verfalltag, später aber à 5%. Es steht aber dem Käufer frei, in weniger als 10 Jahren Zahlung zu leisten, nur darf eine Abschlagszahlung nicht geringer sein, als der Betrag eines ganzen vertragsmässigen Termins.
  4. Das Verkaufte bleibt bis zur gänzlichen Tilgung der Kaufsumme unterpfändlich verhaftet. Ueberdies hat der Käufer noch annehmbare Bürgen zu stellen, welche bis zur gänzlichen Tilgung der Kaufsumme sich solidarisch verpflichten. Ist der Käufer ein Kantonsfremder so hat er entweder aargauische Bürgen zustellen oder den dritten Theil der Kaufsumme in die Fertigung baar zu erlegen.
  5. Der Käufer übernimmt die Fertigungskosten, mit Ausnahme der Schreibgebühren für den Titel, welcher zu Handen des Verkäufers gefertigt wird.
  6. Wird jeder Bieter bei seinem Angebot behaftet.
  7. Die Ratifikation der kompetenten Behörden wird vorbehalten.

Sämtlichen Käufern der Kloster u. Theilreben wird das Recht zugesichert ihre in denselben gepflanzten Trauben, in dieser Trotte auspressen zu können, ebenso wird ihnen die Benützung des Brunnens während der Reben-Arbeiten vorbehalten. Die Verwaltung wird die Reben bis zur Ratifikation bearbeiten lassen, der Käufer hat aber die daherigen sämmtlichen Kosten ohne Ausnahme denselben rückzuvergüten.

Resultat der am 2. März 1845 abgehaltenen Gütersteigerung über die Bergtrotte, Bernau-Reben und die Scheuermatt:

Auf die Bergtrotte mit Trottstanden und sämtlichem Trottgeschirr nebst ca. 20 500 Quadratfuss Rebland wurde geboten von Heinrich Huber von Bubikon, Ct. Zürich, in Baden eingesessen, Fr. 4 325.– . Auf die Reben in Bernau, mit Umgelände haltend lt. Plan 7 Jucharten 14 051 Quadratfuss, er- scheint als Höchstbietender Hr. Eduard Dorer, alt Reg. Rath in Baden, mit Fr. 5 415.– . Auf die ca. 21 Jucharten haltende Scheuermadt wurde geboten von Marianus Widmer in Wettingen Fr. 12 131.– .”

1846

Anno 1846 erfolgte laut Kaufvertrag vom 2. Mai die Fertigung der Bergtrotte auf den Nachfolger Alphons Dorer, zum Hinterhof, Baden, für die Kaufsumme von Fr. 4 330.– Die in den seinerzeitigen Steigerungsbedingungen auferlegten Benützungsrechte wurden jeweils auf die neuen Käufer übertragen.

1864

Am 20. März wird Konrad Esslinger, alt Stadtrichter von Zürich, neuer Besitzer der Bergtrotte. Der Erwerb erfolgte für Fr. 8 000.– . Der Trottenvorplatz und das umliegende Rebgelände umfassten neu 55 720 Quadratfuss. Dadurch wird die fast verdoppelte Kaufsumme verständlich.

1882

Am 14. Dezember verkaufte Konrad Esslinger die Bergtrotte an die Herren J. R. und C. Hanhardt in Dietikon. Die Kaufsumme betrug Fr. 9 100.– . Die Trotte war unter der Nummer 146 zu Fr. 8 500.–brandversichert. Im Kaufpreis inbegriffen waren Mobiliar, Rebgrundstück, Pflanzland und der Brunnen. Der Flächeninhalt wurde mit 50 Aren und 14 Quadratmetern angegeben. Fr. 1 100.– wurden beim Abschluss bar bezahlt, und für den Restbetrag von Fr. 8 000.– liessen die Käufer eine Grundpfandverschreibung errichten. Zins 4,5%, Kapital beidseits auf 4 Jahre unkündbar.

1902

Unter Gemeindeammann Salesius Egloff (1852-1905) hatte die Einwohnergemeinde die Absicht, die Neue Trotte, das heutige Bauamtsmagazin, in ein Gemeinde-Armenhaus, das auch betagten Bürgern dienen sollte, umzubauen. Der Badener Architekt Otto Bölsterli arbeitete ein Projekt mit Kosten-voranschlag aus. Vorgesehen war der Ausbau von Parterre und erstem Stock.

Von 1883 bis 1903 hatte die Neue Trotte obdachlosen Familien als Unterschlupf gedient. Was die öffentliche Hand nicht zu realisieren vermochte, gelang wenige Jahre später auf privater Basis.

1905

Bereits im ersten Vierteljahr muss der Kaufvertrag der Bergtrotte durch Pfarrer Julius Waldesbühl abgeschlossen worden sein. Im Fertigungsprotokoll, das allerdings erst am 25. Mai erstellt wurde, lesen wir zum Kaufobjekt:

Ein Wohnhaus und Trottengebäude, die sogenannte Herrenberg- oder Bernhardtrotte, von Stein und Holz unter Ziegeldach, im aarg. Brandkataster unter Nr. 146 geschätzt und brandversichert für Fr. 8 200.– .

Ca. 89 120 Quadratfuss Hausplatz, Garten und Rebland mit darauf befindlichem und dazugehörendem Brunnen. Dieses Grundstück wird von der “Bergstrassse” durchschnitten und besteht aus zwei Stücken. Das erste Stück grenzt östlich an Johann Meier, Fränzelis, südlich, westlich und nördlich an die “Bergstrasse”. Das zweite Stück grenzt östlich zugespitzt an die Strasse, südlich ebenfalls an die Strasse, westlich an Leonhard Brühlmeier, Friedensrichter, und nördlich ausgespitzt wiederum an die Strasse. Schatzung Fr. 8 550.–, Summa-Schatzung Fr.16 750.–. ( Altes Servitut mitbedungen) Kaufpreis Fr. 9 300.–. Verhaftung im 1. Rang Bank in Aarau Fr.1 600.–, Zins ab 1.Mai 1905. Am Fertigungstag bar bezahlt Fr. 7 700.–. Antritt: 1.Mai 1905.

An diesem Kaufe sind mit dem Käufer gemäss abgeschlossenem Separatvertrag vom 1. Mai 1905 als gemeinsame und gleichmässige Mitkäufer und Miteigentümer beteiligt die Herren: Salesius Egloff, Gemeindeammann Johann Egloff, Civilstandsbeamter Johann Meier, Gemeinderat Leonhard Brühlmeier, Friedensrichter Eduard Zehnder, Schmied Bernhard Steimer, Verwalter Josef Huser, Notar alle in Wettingen. Bezüglich der Anzahlung des Zehntloskaufskapitals per Fr. 337.33 ist die Finanz-Direktion anzufragen und haben die Verkäufer falls dasselbe noch ausstehend sein sollte, nachträglich hiefür aufzukommen.So erfolgte der denkwürdige Kauf des Bertröttli.

Wie sah dieses Bergtröttli damals aus ?

Im Gegensatz zu allen anderen Kloster-Trotten war das Berg- oder Bernhard-Tröttli zweigeschossig ausgebaut. Im Untergeschoss stand immer noch die alte, vollständige Einrichtung samt Trottgeschirr und 32 Gärstanden. Eine Innentreppe (vermutlich aus Holz) führte zum Obergeschoss. Dieses war unterteilt in eine Wohnung und ein Säli. Die bergseits untergebrachte Wohnung bestand aus Küche, Stube und drei Zimmern. Sie war für den Rebmann reserviert, der mit seiner Familie die ehemaligen Klosterreben im Gebiet des Heerenberges pflegte. Zuletzt war dies eine Familie Spörri, “s’ Wysse Chaspers”. Das talwärts gelegene Säli diente zur Klosterzeit den Conventualen als Vergnügungs- und Erholungsort.

Während der Lese werden sie dem jungen Wein sicherlich gebührend Referenz erwiesen haben! Die Sälidecke war mit Stukkaturen geschmückt. Beim ersten Umbau blieben diese Decken in den Innensassenzimmern erhalten. Die Butzenscheiben jedoch wurden aus den Sälifenstern entfernt und sollen ins Elsass verkauft worden sein. Dass damals Sinn und Verständnis für die Erhaltung schöner Dinge fehlten, geht auch aus zeitgemässen Protokollen der Kirchenpflege hervor. “Im Jahr des Kaufes wurden im St. Bernhard-Tröttli noch 40 hl Wein geerntet und in die “Krone” nach Dietikon verkauft. Fehljahre und die Zeitumstände machten den Weinbau für das Asyl bald unrentabel, weshalb man die Reben rodete.”

Umgestaltung des Bergtröttlis in ein Altersasyl

Es war die bestimmte Absicht der Käuferschaft, aus dem Bergtröttli ein Altersasyl (damalige Bezeichnung für Altersheim) für betagte Wettinger zu errichten. Pfarrer Julius Waldesbühl, der grosse Förderer der Raiffeisenbewegung im Kanton Aargau, bewies auch hierin sein organisatorisches Geschick. Einerseits wurden Pläne für den Innenausbau erstellt und überprüft und Verhandlungen mit den Handwerkern aufgenommen, anderseits galt es, die Personalfrage möglichst rasch zu lösen.

Julius Waldesbühl, Dekan

1865 – 1932 Ehrenbürger Pfarrer in Wettingen
1899 – 1931 Gründer Raiffeisenkasse Wettingen Initiant St. Bernhard

Wettingen, den 26. April 1905

Wohlehrwürdige Frau Mutter M. Paula Beck Generaloberin in Menzingen

Ich erlaube mir, Ihnen die Nachricht zukommen zu lassen, dass nun hier der Kauf des Hauses, in welchem die Krankenschwestern Logis nehmen können, zur Tatsache geworden ist. Und es ist uns gelungen, den Kauf sehr vorteilhaft abzuschliessen, indem wir für das grosse Gebäude samt 75 Aren Reben in bester Lage nur Fr. 9 300.– bezahlen müssen. Der Reinertrag der Reben sollte zur Verzinsung und Amortisation ausreichen. Notwendige bauliche Änderungen wären im Einverständnisse mit den Insassen vom Krankenpflegeverein auszuführen. Das Gebäude ist 350 Meter von der Kirche entfernt, 425 Meter über Meer erhöht stehend mit Aussicht über das Dorf, Limmatthal bis nach Menzingen und ins Gebirge. Ein kleiner Garten ist bereits da; wenn gewünscht würden noch Reben ausgehackt zur Vergrösserung. Das Gebäude enthält im Parterre: Trottraum und Stallung ; im ersten Stock: Küche, Stube und drei Zimmer und einen Saal von 7 Metern Breite und 12 Metern Länge. Ein laufender Brunnen ist vor der Haustüre und gehört zum Hause; mit geringen Kosten könnte das Wasser direkt in die Küche geleitet werden.

Nun fehlt aber noch die Hauptsache, nämlich die Schwestern, die das Haus bewohnen sollen, um von da aus den Kranken ihren Beistand zu leisten – oder auch eine Schwester, welche eine Kleinkinderschule oder Lernhaushalt im Hause (Saale) leitete. Daher möchte ich nun bitten, mir baldmöglichst Krankenschwestern zur Verfügung zu stellen. Wie dann deren Ankunft gewiss ist werde ich einen Verein gründen, der für Entschädigung der Schwestern etc. sorgt.

Sollte für den Herbst dies schon möglich sein, so wäre es angezeigt, wenn im Laufe des Sommers eine kundige Schwester hieher käme, um Rat zu erteilen bezüglich der wünschbaren Änderungen und Reparaturen am Baue. Je früher die Schwestern hierher kommen, desto lieber ist es mir. Selbstverständlich würde ich zur vertraglichen Regelung vorher noch nach Menzingen kommen. Ich bitte nochmals, mein Gesuch in wohlwollender Weise aufzunehmen und demselben nach Möglichkeit recht bald zu entsprechen. Mit der Bitte, an die ehrw. Schwestern Berta und Scholastika, die gewiss an glücklicher Erledigung innigen Anteil nehmen, meine Grüsse zu melden, zeichnet

in ergebenster Hochachtung, J. Waldesbühl, Pfarrer

 
 
 
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